Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf

Die aktuelle Sonderausstellung, 31. Januar bis 16. August 2020

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

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Alle Fotos: Stefan Arendt (LVR-Zentrum Medien und Bildung), Blick in die Sonderausstellung „Antlitz der Stadt“, 2020, Digitalfoto. Hier zu sehen u.a. Werke von Gudrun Kemsa, Kris Scholz, Bianca Voss, Volker Krämer, Dr. Erwin Quedenfeldt, Henning Fehr und Philipp Rühr.

 

Linkes Bild: In der Vitrine eine Arbeit von Katja Stuke. Rechtes Bild: Werke u.a. von Rainer Bergner, Dirk Alvermann, Erika Kifft und Horst Schäfer.

Die Anfänge der Fotografischen Sammlung des Stadtmuseums liegen im späten 19. Jahrhundert. So finden sich in ihr viele Beispiele von Bildern in beinahe vergessenen Techniken, mit denen das Leben verewigt werden sollte. Unter ihnen sind Salzpapiernegative, Daguerreotypien, Albumin- und Kollodiumabzüge. Gegenwärtig zählt die Sammlung ca. 80.000 Fotografien und Videoarbeiten. Erstmals kann sie in dieser Ausstellung mit über 200 Exponaten vorgestellt werden. Bei der Exponatauswahl stand zweierlei im Vordergrund: 1. wird die Vielfalt der Themen und Techniken in der Sammlung vorgeführt, 2. wird sichtbar, dass die Sammlung einen Fokus auf die Düsseldorfer Geschichte legt. Zwar zeigen nicht alle Exponate Motive aus Düsseldorf, aber fast alle haben einen Bezug zu der Stadt.

Die Auswahl gibt einen Einblick in einen typischen Museumsbestand: eine Mischung aus Zufall und Planung. Gerade Fotografien gelangten über viele Jahrzehnte hinweg oft quasi als Beifang zusammen mit dem Museum geschenkten oder hinterlassenen Kunstwerken, Dokumenten oder Geräten ins Haus. Ohne die zahlreichen Schenkungen vieler großzügiger Bürger*innen wäre ihre Fülle gar nicht denkbar. Bürger*innen, Vereine und Firmen, die historische Fotografien besitzen, sind eingeladen, sich an den Fotokurator des Museums zu wenden – vielleicht können und möchten sie ja die Museumssammlung bereichern.

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Hier zu sehen u.a. Arbeiten von Ruth Lauterbach-Baehnisch und Walter Vogel.

(Fotokurator: Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

 

August Friedrich Siegert (1820–1883) – Die kleine Welt in der großen

Ausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf, 6. März – 14. Juni 2020

Im späten 19. Jahrhundert zählte der Maler August Friedrich Siegert (1820–1883) zu den beliebtesten Künstlern der Düsseldorfer Malerschule. Später wurde er von der Kunstwelt vergessen. Anlässlich seines 200. Geburtstags am 5. März 2020 richten das Stadtmuseum Düsseldorf und das Museum B.C. Koekkoek-Haus Kleve dem Maler die erste große Werkschau aus. Bis zum 14. Juni ist die Ausstellung noch im Stadtmuseum zu besichtigen. Vom 5. Juli bis 1. November wird sie in Kleve zu sehen sein.

18_Siegert_Kat_30_Die_Aussteuer_Foto_C. WestermeierDie Aussteuer, 1882 (Öl auf Leinwand, Privatbesitz. Foto Christoph Westermeier)

An einem geöffneten Fenster sitzend arbeitet eine junge Frau in einem dunkelroten Kleid an ihrer Aussteuer. Hinter ihr ordnet eine ältere Frau, vermutlich ihre Mutter, Wäsche in den Schrank ein.Handarbeit, die ein besonderes »Feingefühl in den Fingerspitzen« erforderte, gilt zu Siegerts Zeiten als typisch weiblich und bildet einen Schwerpunkt im Unterrichtsplan.Anders als körperlich anstrengende Tätigkeiten wie Wäschewaschen und Bügeln sind im 19. Jahrhundert das Spinnen, Stricken und Nähen für Bürgerinnen jeden Alters schicklich, vielleicht auch, weil die Handarbeit einen Bezug zu kunsthandwerklicher Arbeit hat.Dieselbe Tätigkeit gewerblich ausgeübt, steht für Zugehörigkeit zu den ärmsten Teilen der Bevölkerung.In Siegerts Gemälden bildet die Handarbeit ein Randmotiv. In „Die Aussteuer“verhält sich die Nähende in der Mitte zwischen Träumen und Tun. Während der Nähbewegung schaut sie ins Freie durch das geöffnete Fenster. In vielen Beispielen der Genremalerei im 19. Jahrhundert steht diese Blickführung für die Sehnsucht nach dem Verlassen der engen heimischen Sphäre.

(Dr. Annegret Stein/ Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei

Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf

Die aktuelle Sonderausstellung, 31. Januar bis 16. August 2020

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

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Fotograf*in unbekannt, St. Rochuskirche Düsseldorf, um 1900, Blaudruck, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 5307
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Horst Schäfer (geb. 1932), St. Rochus in Düsseldorf – Ruine der alten Kirche vor dem Neubau, 1959, Silbergelatine auf Barytpapier, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 36223

Die 1894–1897 errichtete neuromanische, katholische Kirche im Stadtteil Pempelfort entwarf Kirchenbaumeister Joseph Kleesattel. Vorbild waren ihm die romanischen Bauten in Köln. Wegen ihrer Größe und aufwändigen Architektur wurde die Rochuskirche auch als „Dom von Düsseldorf“ bezeichnet. Ihre Ruine wurde nach dem 2. Weltkrieg weitgehend abgerissen und durch den heutigen Kuppelbau (Architekt: Paul Schneider-Esleben) ersetzt. Als eine Art Mahnmal erhalten blieb der Turm. Heute trägt er ein großes Kruzifix, das Bert Gerresheim für den Katholikentag 1982 in Düsseldorf schuf. Die Kirche ist dem Heiligen Rochus geweiht, der im 14. Jahrhundert lebte. Als einer der Vierzehn Nothelfer ist er der Schutzpatron der Pestkranken.

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Fotograf*in unbekannt, Köln, vom rechten Rheinufer aus gesehen, 20.09.1899, Blaudruck, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 4036

Diese Aufnahme vermittelt einen Eindruck vom Leben in der „Hilligen Stadt“. Vom Deutzer Ufer aus sind vor allem Groß St. Martin, der Dom und eine der sogenannten Kathedralen des Industriezeitalters, der Hauptbahnhof, zu sehen. Einige Leute sind um das Kassenhäuschen der Pontonbrücke versammelt, die Erwachsenen in die Kamera schauend, die Kinder sich tummelnd und deshalb verwischt abgebildet.

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Fotograf*in unbekannt, Der Kölner Hauptbahnhof, um 1900, Blaudruck, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 4037

Die zweite Aufnahme erlaubt die Betrachtung von Details des Hauptbahnhofs. Er wurde im Jahr 1894 fertiggestellt, als ein typisches gründerzeitliches Baudenkmal in seiner Mischung von Märchenarchitektur und technischer Modernität.

Der Blaudruck (auch: Cyanotypie) wurde bereits im Jahr 1842 von dem Astronomen John Herschel entwickelt und verstärkt zwischen 1880 und 1920 verwandt. Er beruht auf dem Zusammenspiel von Lichteinfall und rotem Blutlaugensalz auf Eisensalze, das zu einer sehr haltbaren blauen Abbildung führt. Anders als die meisten fotografischen Verfahren von jener Zeit bis in die Gegenwart basiert die Technik auf Eisen und nicht auf Silber. In dieser Tonung gewinnen Fotografien eine bemerkenswerte Atmosphäre zwischen Melancholie (à la „Blaue Stunde“) und winterlicher Kälte.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

August Friedrich Siegert (1820–1883) – Die kleine Welt in der großen

Ausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf, 6. März – 14. Juni 2020

 

Im späten 19. Jahrhundert zählte der Maler August Friedrich Siegert (1820–1883) zu den beliebtesten Künstlern der Düsseldorfer Malerschule. Später wurde er von der Kunstwelt vergessen. Anlässlich seines 200. Geburtstags am 5. März 2020 richten das Stadtmuseum Düsseldorf und das Museum B.C. Koekkoek-Haus Kleve dem Maler die erste große Werkschau aus. Bis zum 14. Juni ist die Ausstellung noch im Stadtmuseum zu besichtigen. Vom 5. Juli bis 1. November wird sie in Kleve zu sehen sein.

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Arm und Reich, 1874 (Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Hannover. Foto Martin Rohrmann)

 

Kinder aus einer reichen Familie, deren Wohlstand durch die Hintergrundarchitektur bezeichnet wird, beobachten, wie eine arme Mutter dem Kind auf ihrem Schoß Brei mit einem Löffel reicht. Am Boden zu ihren Füßen steht ihr Hab und Gut in einem Sack, den sie zugeschnürt und mit einem Stock auf ihrem Rücken zu tragen pflegt. In dem Gemälde, das in Siegerts Gegenwart spielt – im historistischen Ambiente –, wird das Wohlstandsgefälle dadurch ausgedrückt, dass die zuschauenden Kinder offenbar ihr Federballspiel unterbrachen, um dem Schauspiel beizuwohnen. Hierdurch stellt sich die Frage, ob Siegert eine gewisse Sozialkritik andeutet, wenn er die Kinder der reichen Familie arme Leute bestaunen lässt. Gestützt wird die Betonung der Zugehörigkeit zur Oberschicht durch den Federballschläger, ein im 19. Jahrhundert noch exklusives Spielgerät. Auch in der Kleidung unterscheiden sich beide Paare erheblich, hie kostbares Textil nach Art der Erwachsenenmode, dort ärmliche, abgetragene Stoffe.

Das Bild ist eine vereinfachte Fassung eines Gemäldes, das sich im Wiener Belvedere befindet. Die erste Fassung dieses Gemäldes wurde von Siegert 1857–1858 gemalt und vom Düsseldorfer Kunstverein erworben.

 

(Drs. Guido de Werd/ Redaktion: Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei

August Friedrich Siegert (1820–1883) – Die kleine Welt in der großen

Ausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf, 6. März – 14. Juni 2020

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Aufnahme vom Ausstellungsaufbau, Februar 2020

Im späten 19. Jahrhundert zählte der Maler August Friedrich Siegert (1820–1883) zu den beliebtesten Künstlern der Düsseldorfer Malerschule. Später wurde er von der Kunstwelt vergessen. Anlässlich seines 200. Geburtstags am 5. März 2020 richten das Stadtmuseum Düsseldorf und das Museum B.C. Koekkoek-Haus Kleve dem Maler die erste große Werkschau aus. Seit dem 12. Mai bis zum 14. Juni ist die Ausstellung wieder im Stadtmuseum zu besichtigen. Vom 5. Juli bis 1. November wird sie in Kleve zu sehen sein.

 

Nach jahrelanger Vorarbeit wurde die erste große Sonderausstellung des Düsseldorfer Malers August Friedrich Siegert an seinem 200. Geburtstag eröffnet. Wegen der Corona-Pandemie entfiel die Eröffnungszeremonie. Und bereits nach zehn Tagen wurde die Ausstellung wieder geschlossen. Aufgrund einiger Neudisponierungen lässt sich die Ausstellung von heute an bis zum 14. Juni wieder besuchen. Die Ausstellung bietet einen repräsentativen Querschnitt durch Siegerts Oeuvre. Zugleich blickt es auch dem Maler als Unternehmer über die Schulter, beispielsweise im Vergleich zweier Fassungen ein und desselben Motivs. Es war dem Maler wichtiger, nachgefragte Bilder mehrfach zu malen und zu verkaufen, als seine Originalität stets neu zu beweisen.

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A.F. Siegert, Die Zeitungslektüre oder Frau mit Kaffeekanne, 1883 (Dr. Axe-Stiftung, Bonn, Inv. 179) – A.F. Siegert, Unser täglich Brot gib uns heute, 1877 (Freudenberg Co. KG, Weinheim)

Die Aufnahme vom Ausstellungsaufbau zeigt zwei Varianten des seinerzeit beliebten Gemäldes „Unser täglich Brot gib uns heute oder Tischgebet“, 1878 bzw. 1877 (Privatbesitz, Düsseldorf [das schlicht gerahmte Original]/ Freudenberg & Co. KG, Weinheim, Unternehmens- und Familienarchiv), die beide in der Ausstellung nebeneinander hängen.

Vor Beginn des Aufbaus im Februar (Raum 10, dort, wo die beiden Fassungen von „Unser täglich Brot gib uns heute oder Tischgebet“ hängen) – Das Museumsentree im Mai

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #19. Jahrhundert #Genremalerei

Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf

Die aktuelle Sonderausstellung

31. Januar bis 16. August 2020 – ab 12. Mai wieder geöffnet.

Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

 

Der 2. Weltkrieg

SMD.F 140_1.SMFotograf*in unbekannt, Zerstörte Häuser an dem Friedrichplatz, heutigem Grabbeplatz in Düsseldorf, 1940er Jahre, Silbergelatine auf Barytpapier, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 140

Nachdem die deutsche Armee im Jahr 1939 die Nachbarländer überfallen hatte, traf der Krieg schon bald die Zivilbevölkerung. Der von den Nazis so genannte „totale Krieg“ begann mit Bombardierungen von Städten wie Rotterdam und Coventry. Der weitaus größte Teil der deutschen Bevölkerung unterstützte die verbrecherische Politik ihrer Staatsspitze – und litt bald selbst unter deren Konsequenzen.

Während des 2. Weltkriegs erlebte Düsseldorf über 240 Luftangriffe der Alliierten, denen mehr als 7.000 Menschen zum Opfer fielen. Mit dem Bombenkrieg sollten aus Sicht der Alliierten die kriegswichtige Infrastruktur getroffen und auch die Bevölkerung demoralisiert werden. Beide strategischen Ziele wurden verfehlt. Der erste Großangriff erfolgte in der Nacht zum 1. August 1942. Bis 1945 wurden im Bereich der Kernstadt 93 % aller Wohnhäuser, 96 % der öffentlichen und 93 % der Geschäftsgebäude zerstört oder beschädigt. Aus heutiger Sicht unverständlich bleibt, dass angesichts der Ruinierung eines ganzen Landes fast bis Kriegsende ein großer Teil der deutschen Bevölkerung Hitlers Siegesversprechen glaubte. Das Foto zeigt einen Blick ungefähr vom Opernhaus auf das Eckhaus des heutigen Grabbeplatzes/ Heinrich-Heine-Allee mit dem damaligen Kunstgewerbemuseum (am linken Bildrand) und der Landes- und Stadtbibliothek (heute Museum K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen).

 

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Fotograf*in unbekannt, Schloss Jägerhof, 1940er Jahre, Silbergelatine auf Barytpapier, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 3431

Das Mitte des 18. Jahrhunderts fertiggestellte Schloss Jägerhof schließt den Hofgarten in Richtung Osten optisch ab. Im Jahr 1811 beherbergte es Napoleon Bonaparte während seines Besuches in Düsseldorf, im 20. Jahrhundert fungierte es als zwischenzeitig als Amtssitz des Oberbürgermeisters. Ab 1934 stand es der Evangelischen Kirche zur Verfügung. 1937 okkupierte die Gauleitung der NSDAP das Schloss, in dem Gauleiter Florian residierte.

Nach der Wiederherstellung wurde das im Weltkrieg stark beschädigte Schloss seit 1955 vom Stadtmuseum, seit 1964 von der Kunstsammlung NRW genutzt und beherbergt seit 1987 das Goethe-Museum.

 

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Fotograf*in unbekannt, Das zerbombte Palais Hompesch an der Berger Allee, heute Stadtmuseum Düsseldorf, 13.02.1974, Silbergelatine auf PE-Papier, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 1736

Das Palais der Grafen von Hompesch in der Bäckerstraße 9 ging 1806 in den Besitz des Reichsgrafen Karl Wilhelm von Spee über, der auch das Nachbargebäude Bäckerstraße 7 erwarb, wodurch ein repräsentatives städtisches Adelsanwesen entstand. Im 2. Weltkrieg wurde der Bau stark beschädigt. Im Jahr 1963 bezog das Stadtmuseum den wiederaufgebauten Teil des Gebäudekomplexes; erst 1977 wurden die Wiederaufbauarbeiten abgeschlossen – über 30 Jahre nach Kriegsende.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#20Jahrhundert #DüsseldorferAltstadt #2Weltkrieg #Stadtfotografie #SchlossJägerhofDüsseldorf

 

Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf

Die aktuelle Sonderausstellung

31. Januar bis 16. August 2020 – zurzeit geschlossen.

Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

 

Der 1. Weltkrieg

 

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Hartung (tätig 1. H. 20. Jh.), Zerbombte Gebäude, Frankreich (?), 1914–1918, Stadtmuseum Düsseldorf, Silbergelatine auf Barytpapier, Inv.: F 1876

 

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Hartung (tätig 1. H. 20. Jh.), Pferdekadaver, Frankreich (?), 1914–1918, Stadtmuseum Düsseldorf, Silbergelatine auf Barytpapier, Inv.: F 1886

 

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Hartung (tätig 1. H. 20. Jh.), Tote französische Soldaten, Frankreich (?), 1914–1918, Stadtmuseum Düsseldorf, Silbergelatine auf Barytpapier, Inv.: F 1887

Der 1. Weltkrieg wird wegen des bis dahin nie erlebten enormen Einsatzes an schwerem Kriegsgerät auch als „erster industrieller Krieg“ bezeichnet. Vor allem der zähe Stellungskrieg im Westen wurde als andauernde Materialschlacht geführt, in der nicht nur die massenhaft gefertigten Waffen, sondern auch die Soldaten das „Material“ darstellten. Insgesamt forderte der Krieg jeweils etwa 10 Millionen militärische und zivile Todesopfer. Nachdem die deutsche Armee Frankreich und Belgien im Sommer 1914 angriff, verlief die Westfront bis zum Kriegsende im November 1918 stets in diesen Ländern. Während deutsche Städte kaum angegriffen wurden, wurden zahlreiche Dörfer und Städte in Belgien und Frankreich zerstört oder gar ausradiert.

Über den Düsseldorfer Fotografen Hartung ist nichts weiter bekannt, als dass die Sammlung des Stadtmuseums neben Aufnahmen von der Front (eine zeigt tote französische Soldaten) zivile Reportagefotos von ihm enthält.

Auf dem ersten Foto sind in einer gänzlich ruinierten Innenstadt Sperrzäune wie auf Gefechtsfeldern erkennbar und in der Bildmitte deutsche Soldaten. In der zweiten Aufnahme betrachtet ein deutscher Soldat, in aller Seelenruhe eine Zigarette rauchen – als ob er für das Foto posierte – einen Haufen von Pferdekadavern, deren Verwesung die Leiber bläht. Das dritte Foto Hartungs zeigt die Leichen einer Gruppe französischer Soldaten.

 

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

 

#20Jahrhundert #1Weltkrieg #ersterweltkrieg

Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf

Die aktuelle Sonderausstellung

31. Januar bis 16. August 2020 – zurzeit geschlossen.

Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

Acqua alta in Düsseldorf – Klein Venedig statt Klein Paris

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Wilhelm Otto (1850-1890), Der überflutete Düsseldorfer Marktplatz, 1882–1883, Albuminabzug, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 185 / Fotograf*in unbekannt, Der überflutete Düsseldorfer Marktplatz am 2. Januar 1883, Albuminabzug, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 258

In den dürregeplagten 2010er Jahren lässt sich kaum vorstellen, dass Düsseldorf früher von der gegenteiligen Plage heimgesucht wurde, dem Hochwasser. Dabei sollte eine bereits im Jahr 1450 errichtete Backsteinmauer die Stadt schützen. Noch heute finden sich in der Altstadt an Häuserecken Markierungen früherer Hochwasserstände. Der regulierte Rheinverlauf im Düsseldorfer Bereich ist noch jung; im Jahr 1898 begann der Umbau des Altstadtufers zum Hochwasserschutz; mit der Anlage der Rheinuferpromenade wurde eine Schutzhöhe von ungefähr 12,5 m erreicht.

Gibt es auch heutzutage gelegentlich Hochwassergefahr, dann nicht in dem auf diesem Foto zu besichtigenden Ausmaß. Von solchen Katastrophen bleibt die Stadt nicht zuletzt durch die weiten Wiesen am linksrheinischen Ufer verschont, über die sich der Fluss gefahrlos ausdehnen kann. Deshalb wurden glücklicherweise in der Vergangenheit alle Bebauungsvorschläge für das linke Rheinufer verworfen. Um den Jahreswechsel 1882/83 war dies anders, wie die Aufnahmen zeigen; damals stieg das Wasser auf 8,95 m und überschwemmte die Straßen der Altstadt bis in eine Höhe von 3 m und breitete sich bis zum heutigen Grabbeplatz aus. Auf den beiden Abbildungen fällt der Blick einmal auf den umspülten Jan Wellem und auf das Rathaus mit seinem Säulenportikus, und im Vordergrund liegt ein Nachen, auf den zu steigen PassantInnen warten – in der zweiten Aufnahme geht der Blick in die Gegenrichtung; die Stege erinnern an diejenigen, die beinahe jährlich in Venedig wegen des „acqua alta“ aufgestellt werden müssen. Auch wenn auf den Aufnahmen das Wasser auf dem Platz nicht sehr hoch steht, schädigt es die AltstadtbewohnerInnen stark, deren Keller und Erdgeschosswohnung volllaufen.

Als historisches Ereignisfoto zeigen die Aufnahmen, dass in der damaligen Zeit die Fototechnik aufgrund langer Belichtungszeiten ungeeignet für Schnappschüsse war: Die an dem Kahn wartenden Personen sind verwischt.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#19Jahrhundert #DüsseldorferAltstadt #Hochwasser #Ereignisfotografie #WilhelmOtto

Das virtuelle Stadtmuseum Düsseldorf

Sie können ab jetzt über den tollen virtuellen 3D-Rundgang dank art.vision und Werft 6 gemütlich durch das Haus spazieren. Und hoffentlich bald können Sie auch wieder ins Haus kommen.

 

Der Eingangsbereich – Das Souterrain, hier trifft ein Graffito von Harald Naegeli auf die alte Bastionsmauer – Im Introraum geht es im Eiltempo durch die Stadtgeschichte, u.a. steht hier Robert Schumanns Flügel – Die Abteilung für Ur- und Frühgeschichte

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Die Zeit des Kurfürsten Jan Wellem und die von Napoleon Bonaparte.
stadtmuseum_3D_11stadtmuseum_3D_08Das 20. Jahrhundert: Das Junge Rheinland, der Kreis um Johanna Ey – nach ’45, mit German Becerras Blechtrommelbild
stadtmuseum_3D_05stadtmuseum_3D_03Zu Gast im Stadtmuseum bis zum 14. Juni 2020: Der Maler August Friedrich Siegert, mit einer Gedenkausstellung zum 200. Geburtstag am 5. März. –
Eine Sonderausstellung aus Eigenbestand: „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis zum 16. August 2020

Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf

Die aktuelle Sonderausstellung

31. Januar bis 16. August 2020 – zurzeit geschlossen.

Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

 

Das Ehepaar Luise Achenbach (1827–1889) und Andreas Achenbach (1815–1910) in Mailand, 1850, Salzpapiernegativ, Fotograf*in unbekannt, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.-Nr.: F 150 und F 151
Das Ehepaar Luise Achenbach (1827–1889) und Andreas Achenbach (1815–1910) in Mailand, 1850, Salzpapiernegativ – digitale Positivkopie, Fotograf*in unbekannt, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.-Nr.: F 150 und F 151

Am 19. August 1848 heiratete Luise Lichtschlag in Elberfeld den Maler Andreas Achenbach. Die Hochzeit fand mitten in der sogenannten Märzrevolution statt, die Andreas Achenbach mit politischen Karikaturen unterstützte. Den Negativen zur Seite gestellt sind Positivkopien der Porträts. Andreas Achenbach gehört zu den bis heute bekanntesten Vertretern der Düsseldorfer Malerschule.

 

Der Maler Ludwig Pose (1786–1877) und sein Sohn, der Landschaftsmaler Eduard Wilhelm Pose (1812–1878), 1846, Salzpapiernegativ, Fotograf*in unbekannt, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.-Nr.: F 148 und F 149
Der Maler Ludwig Pose (1786–1877) und sein Sohn, der Landschaftsmaler Eduard Wilhelm Pose (1812–1878), 1846, Salzpapiernegativ – digitale Positivkopie, Fotograf*in unbekannt, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.-Nr.: F 148 und F 149

Ludwig Pose reüssierte nach dem Studium an der Berliner Kunstakademie als Dekorationsmaler. Im frühen 19. Jahrhundert zog er nach Düsseldorf. Sein Sohn Eduard Wilhelm studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie und verlegte sich auf die Landschaftsmalerei. Nach mehreren Umzügen etablierte er sich im Jahr 1845 in Frankfurt am Main.

Zur Technik: Kalotypie (Salzpapiernegativ)

Die Kalotypie ist das erste fotografische Negativ-Verfahren. Es wurde vonWilliam Henry Fox Talbot zwischen 1834 und 1839 entwickelt. Anfänglich experimentierte Talbot mit verschiedenen Chemikalien. Es ging darum, ein Material zu erhalten, das sich durch Belichtung verfärbte; und diese Veränderung musste fixiert werden. Schließlich fand er eine Silbernitratlösung, die mit Pyrogallussäure entwickelt wurde. Als Trägermaterial nahm Talbot Papier, eine Kochsalzlösung diente als Fixativ. Anders als die als der Beginn der Fotografie gefeierte Daguerreotypie ist eine Kalotypie ein Negativ, von dem positive Vervielfältigungen in unbegrenzter Zahl erstellt werden können. Talbots Verfahren prägte wegen seiner Vorzüge schließlich die Fotogeschichte, nachdem sein Geschäftssinn (anders als Daguerre verlangte Talbot für die Nutzung Lizenzgebühren) den Erfolg seiner Erfindung jahrelang hemmte. Ab ca. 1855 wurde die Kalotypie durch neuere Verfahren ersetzt.