Keyworker-Communiqué #1 – Wahlwerbung

In dieser neuen Rubrik schreiben die an der Sonderausstellung mitwirkenden Keyworker – ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich für das Stadtmuseum einsetzen – über verschiedene Aspekte rund um das Thema Werbung. Heute geht es um Wahlwerbung.

Politische Werbung ist im Kern Werbung von Parteien um Wählerstimmen. Sie konzentriert sich deshalb auf die Wochen und Monate vor Wahlen. Das war schon in der Weimarer Republik so, nachdem politische Werbung 1919 erlaubt worden war. Ihren Höhepunkt erreichte diese Methode bei den „Wahlen“ und Abstimmungen des „Dritten Reichs“, die allerdings weder allgemein noch frei waren. Dass ganze Innenstädte mit Bannern und Transparenten zugepflastert waren blieb den Bundesbürgern seit 1945 zwar erspart, doch wie im aktuellen nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf zu beobachten ist, scheinen die Parteien noch immer der alten Werbeprämisse zu folgen, dass mehr Werbung mehr „Umsatz“ verspricht.

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Demgegenüber ist offensichtlich, dass das Publikum zunehmend genervt auf Werbung – ob politische oder kommerzielle – reagiert und sie oft auch gar nicht mehr wahrnimmt. Fragte man 1960 Fernsehzuschauer nach einem Werbeblock, welche Unternehmen beworben wurden, konnten 40% alle Firmen aufzählen. 2003 konnten dies nur noch 8%. 1855 stellte Ernst Litfaß die ersten 150 Werbesäulen auf; heute kämpfen ungefähr ebenso viele TV-Sender um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung. Inzwischen sagen 78% der Deutschen, dass ihnen die ganze Werbung zu viel ist.

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Im Frühjahr 2017 bleiben kaum ein Düsseldorfer Laternenmast, kaum ein Straßenbaum ohne Wahlplakat. Allerdings sind stadtteilspezifische Unterschiede zu erkennen. Trotz zentraler Planung und Steuerung sind Organisationsfähigkeit und Einsatzbereitschaft der lokalen Parteigliederungen offenbar mitentscheidend für die Intensität des Werbeauftritts – mit der Folge, dass manche Straßenzüge nicht von der Werbung der großen Parteien geprägt werden, sondern von den Plakaten kleiner Splitterparteien, von denen sonst nichts zu hören und zu lesen ist.

Ausstellung
Foto © Medienzentrum Rheinland Stefan Arendt

Im Vorfeld der Wahlen in NRW gab es zudem einen Aufreger, als auffiel, dass Armin Laschet von der CDU mit „Zuhören. Entscheiden. Handeln.“ einen Wahlkampfslogan nutzte, mit dem Gerhard Schröder bereits 1994 im niedersächsischen Landtagswahlkampf warb. Laschet verteidigte sich zwar, dass er den Spruch bereits 1993 verwendete (den Link zum Tweet der NRW-CDU gibt es hier); die Wahl, zu der dieses Plakat gestaltet wurde, fand jedoch erst am 16. Oktober 1994 statt.
Für einen kurzen Einspieler zu der Geschichte besuchte ein Team von SAT.1 unsere Sonderausstellung, um über Wahlwerbung zu sprechen. Den Clip findet ihr hier.

Text und die oberen beiden Fotos © Anselm Faust

Statistische Angaben nach Torsten Schwarz: Leitfaden Permission Marketing. Nur erwünschte Dialoge kommen an, 2005.

1 Kommentar zu „Keyworker-Communiqué #1 – Wahlwerbung“

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