Agenturportrait #1 – GREY Germany

Eine der ältesten Werbeagenturen Düsseldorfs ist GREY. 1953 wurde sie von Karl-Heinz Gramm als Werbegramm gegründet. Die Agentur konnte schon früh international agierende Konzerne als ihre KunGrey - Kopie (2)den gewinnen, so zum Beispiel auch Procter & Gamble, zu denen Marken wie Lenor, Pampers oder Oral-B gehören. In den USA hatte die Firma einen Vertrag mit der Grey Advertising Inc., die im Zuge der Expansion ihres Kunden ebenfalls Anfang der 1960er nach Deutschland kam, um geeignete Partner für ein internationales Geschäft zu suchen. Grey Advertising Inc. wurde bereits 1917 von Larry Valenstein unter dem Namen Grey Studios ins Leben gerufen. Nach der Spezialisierung auf Werbung, änderte man auch den Namen. Schließlich wollte die Agentur in den 1960er Jahren ein globales Netzwerk aufbauen, zu dem in der Folge auch Werbegramm gehörte.

Heute ist GREY Germany ein Verbund deutscher Kommunikationsdienstleister, der nicht nur „klassische“ Werbung anbietet. Seit 2008 sitzen alle Abteilungen der Düsseldorfer Agentur am Platz der Ideen in Düsseldorf Derendorf. Partneragenturen gibt es in Berlin und München, aber den Hauptsitz aus Düsseldorf zu verlegen, wie dies einige große Agenturen schon getan haben, war nie ein Thema.

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Ausschnitt der „Wall of Fame“ in den Agenturräumen am Platz der Ideen in Düsseldorf

GREY Germany hat seit ihren Anfängen viele bekannte Werbekampagnen oder -spots entworfen, von dem Knorr-Clip mit Franz Beckenbauer („Kraft auf den Teller, Knorr auf den Tisch“), über die Erfindung des Melitta-Manns, bis hin zur Werbung für AOL mit einem verdutzten Boris Becker, der fragt „Bin ich schon drin?“. Eine der populärsten und langlebigsten Kampagnen in der Agenturgeschichte ist diejenige für den ersten Kunden von Werbegramm, British American Tobacco, die 1932 die deutsche Zigarettenmarke HB aufgekauft hatten. 1957 schuf die Agentur für die Marke eine der beliebtesten Werbefiguren Deutschlands, die auch heute noch vielen ein Begriff ist: das HB-Männchen.

Zunächst mit einem echten Menschen besetzt, schwenkte man schnell zu einer Zeichentrickfigur um, die von Roland Töpfer kreiert wurde: der Ottonormalverbraucher Bruno war geboren. Die Spots, die sowohl im Kino, als auch im Fernsehen liefen, waren immer nach dem gleichen Muster aufgebaut: in Alltagssituationen lief etwas schief, worüber sich Bruno in nicht verständlicher Sprache aufregte. Die Sprache wurde durch rückwärts und in doppelter Geschwindigkeit abgespieltes Arabisch erzeugt. Am Ende seines Wutanfalls ging das HB-Männchen buchstäblich in die Luft und eine beruhigende Männerstimme aus dem Off sprach: „Halt, mein Freund! Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zur HB!“ Daraufhin schwebte Bruno mit einer Zigarette in der Hand wieder ins Bild und wirkte ganz gelassen. Die Off-Stimme versicherte wieder: „Dann geht alles wie von selbst.“ Im Anschluss geht tatsächlich alles, an dem Bruno vorher gescheitert war, ganz einfach.

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Filmstill aus einem HB-Spot mit dem HB-Männchen Bruno

Ziel der Spots war es, dem Zuschauer eine Identifikation mit Bruno zu ermöglichen, denn jedem gelingt mal etwas nicht und er regt sich über etwas auf. Die Zigarette wird hier als Problemlöser beworben. Und tatsächlich konnte HB mithilfe dieser Werbespots eine enorme Steigerung seines Marktanteils schaffen. Bei ihrer Einführung 1955 erreichten sie einen Anteil von 1%, 1958, mit Bruno, waren es schon 12,9%. Diese Zahl konnte bis in die 1970er Jahre bis auf 23% gesteigert werden. Effizient war die Werbung mit dem HB-Männchen also allemal. Und noch etwas ist bemerkenswert: der Spruch „in die Luft gehen wie ein HB-Männchen“ ist in den deutschen Sprachgebrauch eingegangen – für Werbung Abbild eines großen Erfolges.

In unserer Sonderausstellung „Werbung. Die Kunst der Kommunikation“ darf Bruno natürlich nicht fehlen. Aber auch andere Arbeiten von GREY Germany sind bei uns zu entdecken.

Literaturempfehlung
Grey Gruppe Deutschland GmbH & Co. KG (Hg.): Der Effie und die Grey’sche Effie-Philosophie: Werbung als Beitrag der Wertschöpfung für Marken, Band 1 und 2, Düsseldorf 1997.

1 Kommentar zu „Agenturportrait #1 – GREY Germany“

  1. Hat dies auf danelzik rebloggt und kommentierte:
    Die spannende Geschichte einer der besten deutschen Werbeagenturen – aus Düsseldorf versteht sich. Die Muttergesellschaft wird heuer 100, ein stolzes Alter für eine jugendfixierte Branche.

    Gefällt mir

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