Keyowrker Communiqué #3 – Werbung der Immobilienbranche

weisse VillenWerbung für Immobilien bietet ein großes Spektrum verführerischer Versprechen für Geldanlage und Wohnen, wobei alle Register der Werbung gezogen werden. Allzu oft steht das Beworbene jedoch in eklatanter Diskrepanz zur Realität.

So versprechen „idyllische Gärten mitten in der Stadt“ die Verbindung zweier Gegensätze, die Qualität der Vorstadt und die urbane Lebendigkeit. Erstrebte man noch vor kurzem die Villa mit Garten im grünen „Speckgürtel“ der großen Städte, zieht es die wohlhabende Klientel wieder vermehrt in die Stadt. Die Entwickler größerer Wohnprojekte preisen diese an als „urban villages“, „Lebens- und Erlebniswelten“ und versprechen ein „neues Wohn- und Loft-Feeling“ – Lebensart als Kaufargument: „Wer hier einzieht, fühlt sich gleich mit allen Sinnen zu Hause“.

Obwohl man die unmittelbare Nähe der Stadt sucht, sondert man sich in einigen Fällen auch wieder von ihr ab. In „gated communities“ – umzäunten, bewachten, privatwirtschaftlichen Nachbarschaften – werden den Besserverdienenden Geborgenheit, Sicherheit und vielfältiger Service versprochen. Doch diese soziale Segregation ist stadtplanerische Gettobildung und macht die angepriesene urbane Qualität zunichte.

Diese „Vorzeigeobjekte mit Charakter“ ködern mit einer Architektur, die oft mit neoklassizistischem Edelkitsch nostalgische Wünsche einer sonst realistisch und modern eingestellten Klientel bedient und häufig Standardgrundrisse kaschiert.

In der aktuellen Situation geringer Zinsen, angesichts des Mangels an bezahlbarem Wohnraum in Großstädten mit entsprechend steigenden Mieten und Kaufpreisen wird mit hohen Renditen für den Erwerb von „Betongold“ geworben. Zielgruppe ist häufig eine globalisierte Finanzelite. Zwar wird mit den urbanen Qualitäten geworben, aber allzu oft steht nur die Profitmaximierung im Vordergrund, nicht die Linderung der Not der vielen Wohnungssuchenden und auch nicht die Verbesserung der Nachbarschaft, des Stadtteils oder der Stadt. Aber auch Schöner Wohnendiejenigen, die eine Wohnung oder ein Haus kaufen, könnten letzten Endes die Betrogenen sein. Schon Ovid warnte: wer viel verspricht, hält wenig.

Die Keyworker Oberkasselplus haben die aktuellen starken Veränderungen der linksrheinischen Stadtteile Düsseldorfs kritisch begleitet und ihre Erkenntnisse in der Ausstellung „Unsere Stadt im Wandel“ 2015 öffentlich gemacht. Neben der enormen Zunahme von Arbeitsplätzen, Wohnungen und dem resultierenden Verkehrsaufkommen fiel immer wieder die übertriebene Werbung der Investoren und Makler auf. Auf einem der Stellwände der Ausstellung wurden ein paar markante Beispiele aufgelistet.

Text und oberes Foto der Weißen Villen in Düsseldorf © Joachim Siefert

1 Kommentar zu „Keyowrker Communiqué #3 – Werbung der Immobilienbranche“

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