(W)erben für Lore – Kooperation mit der Lore-Lorentz-Schule

20170618_150216Unter dem Motto (W)erben für Lore lud die Lore-Lorentz-Schule in Düsseldorf-Eller am vergangenen Sonntag in Kooperation mit dem Stadtmuseum in ihre Räumlichkeiten ein. Anlass war das 70jährige Bestehen des Kom(m)ödchens, deren Werbeplakate in der Schule ausgestellt sind. Durch die Umbenennung der Kollegschule Kikweg in Lore-Lorentz-Schule 1998 wurde die Mitbegründerin des mittlerweile ältesten deutschen politisch-literarischen Kabaretts gewürdigt.

Trotz des schönen Wetters fanden sich nun einige Interessierte für eine Führung durch die Schule ein, denn die Führung wurde nicht durch irgendwen gehalten. Zunächst sprach Prof. Wilfried Korfmacher von der Hochschule Düsseldorf, der die Kooperation zwischen der Schule und dem Stadtmuseum einfädelte. Er war auch für die Gestaltung der Werbung für die Sonderausstellung verantwortlich.

Prof. Korfmacher sprach über das von ihm entwickelte Konzept für das Plakatmuseum der 2007 neu gebauten Schule. Die Idee war, Lore Lorentz und ihrem Lebenswerk ein Denkmal zu setzen. So sollten neben einem Bronzerelief der 20170618_153048Kom(m)ödchen-Gründerin und Sprüchen über das Lernen und Leben, Plakate für die zahlreichen Kabarette seit der Gründung 1947 an den Eingängen zu den Klassenräumen hängen. Die einzelnen Räume erhalten so ihre „Namen“, jeder Raum ist über ein Plakat bzw. ein Kabarett identifizierbar.

Nach Prof. Korfmacher ergriff sein ehemaliger Professor, Uwe Loesch, das Wort. Loesch ist einer der renommiertesten Plakatgestalter weltweit, dessen Arbeiten sich sogar in der Sammlung des Museum of Modern Art befinden. Er arbeitete über 30 Jahre lang für das Kom(m)ödchen und entwarf einige der kontroversesten Plakate der Düsseldorfer Institution.

Bild 1Uwe Loesch neben der Vitrine für Lore Lorentz mit einer Replik des namensgebenden Kommödchens, Foto © Marcel Riedel

Er führte chronologisch durch die Entwicklung der Plakate, wobei die frühen Entwürfe seiner Kollegen noch nicht für Aufreger sorgten. Manche davon „verneinen jede Gestaltung“ sagt Loesch, bezugnehmend auf ein Plakat, das mit Text vollgeschrieben ist und scheinbar nur die Informationen vermitteln will. Andere unterliegen sehr dem Zeitgeist der Nierentisch-Ära und zeigen gezeichnete Männer mit Hut vor einem lila Hintergrund.

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Uwe Loesch bespricht ein Plakat aus der frühen Zeit, das seiner Meinung nach jede Gestaltung verneine, Foto © Marcel Riedel

In den 60er Jahren wurden die Plakate dann spannender und wilder. Auch Größen der Plakatkunst wie Jan Lenica oder Heinz Edelmann entwarfen für das Kom(m)ödchen. Lenica, einer der bekanntesten Plakatgestalter Polens, designte bunte Plakate, die die Ästhetik des Jugendstils aufgriffen. Edelmann, Art Director des Beatles-Films „Yellow Submarine“, verpasste auch seinem Kom(m)ödchen-Plakat die unwirkliche Aura seiner Beatles-Arbeit.

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Wilfried Korfmacher fotografiert seinen ehemaligen Professor, wie dieser über das Kom(m)ödchen-Plakat von Heinz Edelmann spricht Foto © Marcel Riedel

Uwe Loesch wiederum arbeitete politischer. Seine Plakate sind bissig und spielen auf die jeweiligen Zeitgeschehnisse an – auch wenn einige von ihnen heute aktueller sind denn je. In einem 1990 selbstverfassten Text über „Anschläge auf die viereckige Fläche im Kopf des Betrachters“, den Loesch kurz vorliest, beschreibt er seinen Anspruch, Plakate zu machen, die zum Nachdenken anregen. Seine Arbeiten lassen sich weder einer Schule zuordnen noch sind sie von Trends beeinflusst.

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Uwe Loesch liest einen Text zu seinem Plakat „Immer nur hächeln!“ von 1991 vor, das auch im Stadtmuseum zu sehen ist, Foto © Marcel Riedel

Und manchmal entstehen seine Plakate ganz zufällig: Loesch erzählt eine Anekdote zu dem Plakat für das Stück Playback von 1982. Er sitzt gerade auf dem Boden und arbeitet an dem Entwurf als er angerufen wird. Während er zum Telefon hastet, stolpert er über seine PLAYBACK_1982zurechtgelegte Anordnung der einzelnen Farbkarten und verschiebt sie. Dieses Bild gefällt ihm so gut, dass er den Entwurf einreicht. Lore Lorentz ist begeistert – auch wenn der Rest des Ensembles findet, dass ihre Namen darauf zu klein erscheinen. Das Plakat wird dennoch genutzt und gewinnt infolgedessen auch noch Designpreise.

Am 9. Juli gibt es eine zweite Veranstaltung im Rahmen von (W)erben für Lore, bei der Schüler durch die Plakatsammlung führen. Anschließend feiert ein Film zum 70jährigen Bestehen des Kom(m)ödchen Premiere. Kay Lorentz, Sohn von Lore Lorentz und heutiger Leiter des Kabaretts, wird anwesend sein.

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