Keyworker-Communiqué #6: Was darf Werbung?

Darf Werbung mit allen Mitteln arbeiten, um die Produkte oder Dienstleistungen an den Mann oder die Frau zu bringen? Nicht nur der Konsument, auch die deutschen Gerichte befassen sich mit dieser Frage…

Anfang der 1990er Jahre erzeugten Plakate, die Werbung für Strickwaren machen sollten, in der Bundesrepublik einen Aufschrei. Auf einem der Plakate ist die blutbefleckte Original-Kampfmontur des erschossenen Kroaten Marinko Grago zu sehen. Sogar das Einschussloch auf dem T-Shirt des Soldaten aus dem Bosnienkrieg kann man erkennen. So mancher, der dieses Plakat des Bekleidungsunternehmens Benetton vor Kurzem in unserer Ausstellung „Werbung. Die Kunst der Kommunikation“ gesehen hat, mag sich gefragt haben: „Darf denn Werbung eigentlich alles, solange sie nur funktioniert?“

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Ausstellungsansicht mit dem Werbeplakat für United Colors of Benetton, Foto © Medienzentrum Rheinland Stefan Arendt

„Zynisch, schamlos und grässlich“ so urteilten seinerzeit die einen. Es wurde als geschmacklos empfunden, mit solchen Methoden Werbung zu machen und mit toten Menschen den Umsatz zu steigern. Die anderen sagten: „Man kann vor den Konsequenzen des Krieges nicht die Augen verschließen. Den Menschen muss bewusst werden, dass es im Krieg immer nur Verlierer gibt.“ Wer hat recht? Handelt es sich um reine Aufmerksamkeits-Werbung, mit der Benetton das Elend des toten Soldaten zum eigenen finanziellen Vorteil ausbeutet? Oder nutzte Benetton seine Marktmacht und Popularität dazu, um mit der Plakatwerbung einen Appell gegen den Krieg zu richten?
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Keyworker-Communiqué #5 – Werbe-Ikone Charles Wilp: ein Garant für Außergewöhnliches

RWB21506-007Im Jahr 1974 ist Charles Wilp auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn angekommen und so bekannt wie ein bunter Hund. Für manche ist er der Werbe-Papst oder das Enfant terrible der Werbung, für andere ist er der documenta-Künstler, wiederum für andere einfach nur ein Spinner. Er hat Aufträge satt und Geld wie Heu.

Seine Karriere als Portraitfotograf beginnt im Palais Schaumburg, wo er den Bundeskanzler Konrad Adenauer für die Allgemeine Sonntagszeitung ablichtet. Das Foto zeigt Adenauer, wie dieser, nachdenklich seinen Kopf in die Hand gestützt, über die Weltgeschichte zu philosophieren scheint. Das Magazin Der Spiegel bringt das Foto mit der Bildunterschrift: „Der Kanzler hat Sorgen.“
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Agenturportrait #3 – DDB

DDV1g6UXkAAEcTkUnter den vielen Agenturen Düsseldorfs ist sie ein Schwergewicht: DDB. Beim diesjährigen Cannes Lions International Festival of Creativity – dem weltweit größten und renommiertesten Festival der Werbebranche – schnitt sie als erfolgreichste deutsche Agentur ab. Seit Jahren macht DDB Werbung für große Kunden wie Volkswagen, die Deutsche Telekom oder Henkel. Dabei ist die Agentur mit Standorten in Berlin, Hamburg, Wolfsburg und natürlich Düsseldorf vertreten.

Wie viele Firmengeschichten der großen Düsseldorfer Agenturen, startete auch diejenige von DDB in den USA. Jedoch wurde hier keine deutsche Agentur im Zuge der Expansion übernommen, sondern eine Dependance eröffnet – und zwar die erste von DDB in Europa. 1949 gründeten Ned Doyle, Mac Dane und Bill Bernbach eine Werbeagentur in Manhattan und benannten sie nach ihren Nachnamen Doyle Dane Bernbach. Sie konnten schnell Erfolg erzielen und banden vor allem Kunden mit kleineren Etats an sich. Ihr Stil war leichter als die Mainstream-Werbung der Zeit, sie setzten auf griffige Slogans und cleveren Humor.
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Wim Wenders‘ Werbewelt meets Bertram Rutz‘ Plakatkunst

Als weltbekannter Filmregisseur ist der 1945 in Düsseldorf geborene Wim Wenders für seine Heimatstadt kulturell sehr bedeutend. In Düsseldorf vertreten ist z.B. die „Wim Wenders Stiftung“, die seine Arbeiten zusammenführt und diese für die Öffentlichkeit zugänglich macht. Der Oscar nominierte Regisseur spielt auch in der Werbebranche eine große Rolle, was dem Publikum weitgehend unbekannt ist. Das erste Mal an einem Werbeprojekt arbeitete er in den frühen 1990er-Jahren. Bis dahin hatte er sich bereits mit Filmen wie „Paris, Texas“ (1984) oder „Der Himmel über Berlin“ (1987) einen Namen gemacht. Ein Grund für sein Interesse an der Werbebranche war der Umschwung des Filmbusiness: Laut Wenders wurde der Spielfilm Ende der 1980er als treibende Kraft der Bildästhetik von der Werbe- und Musikbranche abgelöst.

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Ausstellungsansicht mit dem Werbeplakat für „Der Himmel über Berlin“, Foto © Medienzentrum Rheinland Stefan Arendt

Als „Paris, Texas“ in die Kinos kam, waren nicht nur Kritiker und Publikum interessiert, sondern auch die Werbung. Nach Auffassung von Wenders kamen in jedem zweiten Werbespot Andeutungen oder Zusammenhänge zu seinem Film vor, wie z.B. einige Szenen in der Wüste, die auch in „Paris, Texas“ im Fokus stehen. Wenders stieg auch deshalb in die Werbebranche ein, weil er zum einen an „vorderster Front“ dabei sein und zum anderen viel über Werbung und ihre Funktion wissen wollte. In einem Interview mit dem Magazin Horizont sagte er, seine Hauptmotivation sei das Experimentieren mit neuen Techniken. Außerdem ist er interessiert daran, „neue Werkzeuge der Bildsprache“ auszuprobieren.
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Agenturportrait #2 – BBDO Germany

BBDO_RGB_positivBBDO ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Werbeagenturen Deutschlands. Ihr Hauptsitz befindet sich seit jeher in Düsseldorf, weitere Agenturstandorte der Gruppe gibt es in Berlin, Hamburg, Frankfurt, München, Dresden, Stuttgart und Nürnberg. In Düsseldorf arbeiten rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund um die Königsallee – etwa 270 davon für die Kernmarke BBDO Düsseldorf, weitere 700 für Schwester- und Tochterunternehmen wie die PR-Agentur Ketchum Pleon, die Mediaagentur Omnicom Media Group, die Marketing-Consultants Batten & Company und die Dienstleister von agencyservices.

Der Name BBDO stammt dabei – wie bei vielen deutschen Agenturen – von der amerikanischen Muttergesellschaft, die in den 1970er Jahren auf den deutschen Markt strebte. Die Firmengeschichte der Amerikaner reicht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück: 1891 gründete George Batten in New York die Batten Company, 1919 riefen Bruce Fairchild Barton, Roy Sarles Durstine und Alex F. Osborn ebenfalls in New York Barton, Durstine & Osborn (BDO) ins Leben. Als diese beiden Agenturen 1925 fusionierten entstand die Batten, Barton, Durstine & Osborn Company – abgekürzt BBDO.
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Keyworker Communiqué #4 – Zwischen Kauf und Verkauf lauert die Sünde: Die Privatsammlung von Prof. Scheele

Wie man sich mit dem Thema Werbung wissenschaftlich fundiert, aber auch mit einer großen Portion Humor beschäftigen kann, erlebten wir in der Privatsammlung von Prof. Dr. Walter Scheele. Er war als Leiter einer Werbeagentur, aber auch als Hochschuldozent ein ausgewiesener Fachmann auf seinem Gebiet und kannte alle Methoden und Wirkungsweisen von Werbung.

Weil er sich für die Geschichte der Werbung interessierte, hielt Walter Scheele seit den 1970er-Jahren Vorträge darüber, die großen Zuspruch fanden. Er legte eine Studiensammlung an, um das Thema anschaulich zu präsentieren. Schließlich fasste er sein Wissen in einem Buch zusammen. Es erschien im Jahr 1979 unter dem Titel „Zwischen Kauf und Verkauf lauert die Sünde. Jahrhunderte der Werbung in Geschichten und Bildern“. Den Titel entlieh Scheele dem Alten Testament. Im Buch Jesus Sirach, Kap. 27, Vers 2 (Einheitsübersetzung), heißt es: „Zwischen zwei Steine lässt sich ein Pflock stecken; so drängt sich zwischen Kauf und Verkauf die Sünde.“

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(W)erben für Lore – Kooperation mit der Lore-Lorentz-Schule

20170618_150216Unter dem Motto (W)erben für Lore lud die Lore-Lorentz-Schule in Düsseldorf-Eller am vergangenen Sonntag in Kooperation mit dem Stadtmuseum in ihre Räumlichkeiten ein. Anlass war das 70jährige Bestehen des Kom(m)ödchens, deren Werbeplakate in der Schule ausgestellt sind. Durch die Umbenennung der Kollegschule Kikweg in Lore-Lorentz-Schule 1998 wurde die Mitbegründerin des mittlerweile ältesten deutschen politisch-literarischen Kabaretts gewürdigt.

Trotz des schönen Wetters fanden sich nun einige Interessierte für eine Führung durch die Schule ein, denn die Führung wurde nicht durch irgendwen gehalten. Zunächst sprach Prof. Wilfried Korfmacher von der Hochschule Düsseldorf, der die Kooperation zwischen der Schule und dem Stadtmuseum einfädelte. Er war auch für die Gestaltung der Werbung für die Sonderausstellung verantwortlich.
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